Kartoffelsalat mit Minzkakao

Kartoffelsalat mit Minzkakao

An dem Corona-Virus fand ich gut, dass ich mehr Zeit mit meiner Familie hatte. Zusammen haben wir viele Sachen erlebt. Zum Beispiel haben wir auf dem Balkon gegessen, eine Liege für den Balkon gekauft oder einen Filmabend veranstaltet. Außerdem habe ich viel Neues ausprobiert. Ich habe zweimal gekocht. Einmal gab es Burger und Smoothies und einmal Kartoffelsalat, Minzkakao und Schinkenbrötchen. Ich habe Handlettering geübt und ein paar Masken genäht.

Ich habe auch Sachen gemacht, die ich vielleicht nicht so häufig gemacht hätte. Zum Beispiel war ich oft mit meiner kleinen Schwester im Hof, bin häufiger Fahrrad gefahren – wir haben ein Birken-Wäldchen entdeckt – ich habe sehr oft mit meinen Freunden gechattet und telefoniert und für den Kunstunterricht habe ich ein Corona-Tagebuch mit Collagen, Einträgen, Fotos und vielen anderen Ideen gestaltet.

»Und ich kenne mich jetzt auch ein bisschen mehr
mit Computern aus, weil ich in letzter Zeit viele
E-Mails für die Schule bekommen habe.«

Man hat auch viel Zeit für Aktionen, die man schon immer mal ausprobieren wollte oder immer vor sich hergeschoben hat, wie das Zimmer umgestalten oder etwas Kompliziertes kochen oder backen.  Und ich kenne mich jetzt auch ein bisschen mehr mit Computern aus, weil ich in letzter Zeit viele E-Mails für die Schule bekommen habe. Wir haben auch Videokonferenzen gemacht. Ich fand es auf jeden Fall lustig, die Lehrer so in ihrem „Privatleben“  zu sehen; wie sie Kaffee getrunken haben oder lustige Geschichten von zu Hause aus dem Home-Office erzählt haben.

Anni Schmid

Familienaktion: Masken nähen

Familienaktion: Masken nähen

Natürlich kann ich mich im Klagen mitreißen lassen: Wie soll ich die Kinderbetreuung absichern, wie neben Job und Haushalt noch den Schulunterricht übernehmen, meine Reisepläne alle abgesagt, die quengelnden Kinder, ich bin überfordert…… . Ich könnte die Aufzählung weiter fortsetzen. Doch was ändert es?

Deswegen ändere ich den Blick auf die Dinge: Mein Alltag ist entschleunigt. Abendliche Termine entfallen, keine Proben oder Sitzungen. Wir haben Zeit gemeinsam als Familie am Abend zu kochen und zu spielen. Unsere große Tochter ist 18 Jahre alt und wird nach dem Sommer studieren gehen. Als Mutter sehe ich das mit einem glücklichen und einem weinenden Auge. Nun ist uns eine extra Portion gemeinsame Zeit geschenkt worden.

»Corona öffnete auch den Blick für Dinge, die getan werden
müssen, nicht für sich selbst sondern für andere.«

Corona öffnete auch den Blick für Dinge, die getan werden müssen, nicht für sich selbst sondern für andere. Und das bewirkt eine ungemeine Zufriedenheit. Zu Beginn der Pandemie, wo die Schlacht um Toilettenpapier begann und die Regale leer waren, wurden auch die Hilfsmittel für unsere Pflegekräfte knapp. Mein Mann, der als Regionalleiter bei der Caritas im Norden arbeitet, berichtete zu Hause von den Sorgen. Da musste schnell gehandelt werden. In Arbeitsteilung wurden – mit der ganzen Familie – über 150 Masken zugeschnitten, gefaltet und genäht. Da gab es einige Spätschichten. Ein Dank noch an unsere Nachbarn und Bekannten, die mit den – zwischenzeitlich auch ausverkauften – Schlüpfergummis aushalfen. Nach jeder Schicht die Zählung – wer hätte gedacht, dass wir so viele schaffen? Und dann die Worte meiner Tochter: „Das fühlt sich so gut an, coole Aktion.“

Dr. Kathleen Schwerin-Witkowski

Die erste Welle ist geschafft

Die erste Welle ist geschafft

Für mich als Straßensozialarbeiter und auch als Privatperson war die Pandemie ein Schock. Viele Fragen blieben anfänglich offen, weil Einrichtungen, die sonst die Obdachlosen versorgten, von einem Tag auf den anderen geschlossen blieben.

Ich habe gemerkt, dass die Obdachlosen Angst hatten, übersehen zu werden und daher sind sie viel aktiver, fordernder – auch zurecht – auf uns zugekommen. Dabei war es schwierig immer auf den nötigen Schutz zu achten. Meine Klient_innen sind eine extrem verletzliche Gruppe und so fürchtete ich weniger eine eigene Ansteckung durch die Obdachlosen, sondern vielmehr eine Ansteckung der Obdachlosen durch mich.

»Ich konnte meinen Beruf den jungen
Leuten, überwiegend Studierenden der
Sozialen Arbeit, näherbringen.«

Aber diese Wochen haben viel Solidarität der Bevölkerung gezeigt. Studierende haben sich gemeldet, wollten unterstützen und durften dies auch. Vier Tage nach Schließung aller Einrichtungen konnten wir bereits mit der Verteilung von Lunchpaketen beginnen. Die Ehrenamtlichen haben sich extrem aktiv eingebracht und auch bei der Organisation unterstützt. Das schöne dabei: Ich konnte meinen Beruf den jungen Leuten, überwiegend Studierenden der Sozialen Arbeit, näherbringen; für die Wohnungslosenhilfe werben.

Nach sechs wirklich anstrengenden Wochen, haben wie die Lunchpakete runterfahren können, da die Einrichtungen wieder Essen ausgegeben haben. Es war einfach eine intensive Zeit, körperlich aber auch mental. Selbst im Feierabend blieb ich ansprechbar. Ich habe mir viele Fragen gestellt: Ist es gut, dass wir weiterhin draußen sind und täglich so viele Kontakte haben? Missachte ich etwas? Hätte ich mehr Schutz bieten können? Hierfür gab es politisch keine Antwort oder Unterstützung. Ich habe die Antworten bisher selbst noch nicht gefunden. Zurzeit bin ich einfach froh, dass wir über die erste Welle hinweggekommen sind – ohne Ansteckungen – und mit der großartigen Hilfe von Ehrenamtlichen, die zeigen, dass es richtig ist, was wir getan haben. Allen Zweifeln zum Trotz.

Julien Thiele